Wie verlässt man einen Fußballverein?

Trennungen sind immer sehr sehr schwer.

Wenn man sich allerdings von einem Fußballverein trennen möchte ist das als Pottjunge fast unmöglich.
Kurze Vorgeschichte: Im Ruhrgebiet bekommt man einen Verein in die Wiege gelegt. Das ist für Ostwestfalen vielleicht etwas schwer zu verstehen. Es ist aber so.
Bei mir ist es der FC Schalke 04, der seit meiner Kindheit einen besonderen Reiz ausübt. Es hätte der VfL Bochum sein können, der sehr familiär ist, oder der BVB aus der Stadt in der Nähe von Lüdenscheid, auf den irgendwann alle Menschen abfuhren, weil die oben in der Liga mitspielen.
Bei mir wurde es der volksnahe FC Schalke 04. Blau wie der Himmel und weiß wie der Schnee. Kumpel-Klub, der von richtigen Püttjungen gegründet wurde. Kein Verein spiegelt die Region so wider wie der S04. Die Menschen leben den Verein. Es ist auch egal, ob die oben oder unten mitspielen. Schalke steht über allem und begleitet die Menschen aus dem Ruhrgebiet in allen Lebenslagen.

Menschen = Schalke = Ruhrpott

Nun ist es aber so, dass #inzeitenvoncorona die Knete ausgeht und man jeden Strohhalm sucht um Geld zu generieren. Es gibt da ein Gesetz, dass Gutscheine ausgegeben werden für bereits gekaufte Karten von Geisterspielen (für die sich auch nur die BILD und Sky interessieren). Erst wenn die Gutscheine bis Ende 2021 nicht eingelöst werden, muss der Verein die geleisteten Zahlungen zurückerstatten.

Da Schalke nach eigenem Empfinden ein volksnaher Klub ist gibt es die Möglichkeit sich das Geld für die Karten, welche nicht genutzt werden können gegen Bargeld auch vor 2022 auszahlen zu lassen. Das Gesetz spricht hier von Härtefällen, welchen das Geld dann vorzeitig ausgezahlt werden muss.

Allerdings muss der Kunde mit Belegen nachweisen, dass er das Geld wirklich braucht um sich als Härtefall zu qualifizieren. So weit richtig und auch legal. Es steht halt so im Gesetz. It´s the law. So handhabt das auch mein Herzensklub. Kalt wie man es beim BVB, dem FC Bayern oder RedBull Leipzig vermuten könnte.
Man denkt sich und erwartet, dass das bei uns nicht so kalt abläuft. Pustekuchen.
Die machen das so wie es da steht. Vielleicht nicht in dem Beamtendeutsch wie im Gesetz, sondern etwas formuliert für Doofe. Der Inhalt ist aber der gleiche.

Legal bedeutet nicht, dass das auch moralisch in Ordnung geht. Besonders nicht bei einem Verein, wo in der Kurve nicht unbedingt die Geld-Elite zuhause ist.

Das ist nicht der FC Schalke wie ich ihn kennengelernt hab. Das entspricht nicht mehr den Werten, die mich viele Wochenenden nach GE lockten um mir ein mieses Spiel nach dem anderen anzusehen. (ok. der ein oder andere Sieg gegen Gelb sprang auch mal raus).

Moralisch ist das alles fragwürdig. Im Sommer fing es mit einer Rede des Aufsichtsratsvorsitzenden an, deren Inhalt ich zu 0,0 % teile. Halbherzige Aussagen und Rechtfertigungen konnten mich damals nicht überzeugen, dass das „so“ nicht gemeint war und man einfach falsch verstanden wurde.
Jetzt also wieder eine fragwürdige Nummer, welche so fragwürdig ist, dass ich meine Identifikation mit dem Verein und der handelnden Personen in Frage stelle. Und auch hier wieder eine Rechtfertigung, dass man das anders hätte lösen sollen.

Ich sage: „Dat iss nich mehr mein Schalke“ und ich stelle eine negative Zukunftsprognose in der Beziehung, so lange dort so gehandelt wird, wie es gerade wird.

Ich gebe hiermit die Trennung bekannt!

Um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: So macht man das.

 

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